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Unterwegs am europäischen Amazonas

vor 1 Tag
7 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 17 Stunden

4 Wochen entlang von Mur, Drau und Donau - durch 5 Länder und mit der besten Ehefrau der Welt - Tag 1 bis 3



Vor uns liegt eine außergewöhnliche 29-tägige Radreise durch eine der ursprünglichsten Flusslandschaften Europas: den „Amazon of Europe“. Entlang von Mur, Drau und Donau verbindet die Große Runde unberührte Auenwälder, weite Feuchtgebiete und echte Wildnis mit historischen Städten, Weinbergen und der kulturellen Vielfalt von fünf Ländern – Österreich, Slowenien, Ungarn, Kroatien und Serbien.

Hier, im weltweit ersten Fünf-Länder-UNESCO-Biosphärenreservat Mura-Drava-Danube (seit 2021), fließen drei große Flüsse über 700 Kilometer durch Mitteleuropas größtes naturnahes Flusssystem. Weißschwanzadler, Schwarzstörche, Otter und eine Artenvielfalt, die uns staunen lässt, sind hier zu Hause. Weite Auen, dichte Wälder, idyllische Dörfer und das Gefühl echter Wildnis – alles bequem per Fahrrad erlebbar.

Die offizielle Route startet in Mureck (Österreich) und endet in Mohács (Ungarn). Es gibt eine nördliche und eine südliche Variante entlang von Mur und Drau. Wir haben uns entschieden, im Norden hin- und im Süden zurückzuradeln – und die Tour schließlich in Maribor ausklingen zu lassen.

Unsere Route folgt zunächst der Mur durch Slowenien und Westungarn, taucht ein in die Drau-Landschaften, gönnt uns Wein und Burgromantik in Villány und Harkány, kreuzt nach Kroatien und Serbien entlang der Donau (inklusive Kanutour und Baranja-Wein), macht Station in Erdut und Osijek (mit Bootsfahrt im Naturpark Kopački Rit) und führt dann flussaufwärts der Drau zurück über historische Perlen wie Varaždin und Ptuj bis nach Maribor.

Dazwischen haben uns Qigong-Übungen geholfen, wieder ins Gleichgewicht zu kommen, Wirbelsäule und Schultern zu lockern und den Kopf frei zu bekommen für den nächsten Flussblick. Wir hatten Zeit, uns mit den historischen und geografischen Hintergründen dieser Region vertraut zu machen, Menschen kennenzulernen, ein paar Brocken Ungarisch zu lernen – und zwischendurch auch ordentlich zu blödeln.

Wenn Du magst: Lass den Alltag kurz hinter Dir. Steig auf, atme tief aus und tauche ein in ein Abenteuer aus Natur, Freiheit, Wein und Entdeckung. Die Große Runde ist mehr als eine Radreise – sie ist eine Einladung, den europäischen Amazonas mit allen Sinnen zu spüren.Viel Freude beim Lesen!


Tag 1: Von Graz nach Mureck


Die Reiseunterlagen sagen „individuelle Anreise nach Mureck“ – das heißt für uns: Wir radeln einfach von zu Hause los.

Birgit hat’s sich gewünscht – und es fühlt sich irgendwie toll an, die eigene Haustür hinter sich zu lassen und bis Serbien (und zurück) nur mit dem Rad unterwegs zu sein. Gabor Helian von HelianNatour (www.helian.hu) hat uns eine feine 29-Tage-Runde zusammengestellt – im Schnitt 50 km, bis maximal 70 km haben wir ausgemacht. Wir bekommen digitale Reiseunterlagen und gps-Daten für unseren Weg. 29 Mal "Hotel mit Frühstück" ist für uns gebucht. Heute legen wir schon 74 km vor, weil wir den offiziellen Start in Mureck nicht mit Auto oder Zug erreichen wollten.

Unsere Räder sind ganz normale Stadträder, ohne elektrische Unterstützung, nur mit besseren Reifen für den Schotter. Damit sind wir schon den Murradweg in fünf Tagen, zehn Tage ans Meer und den Alpe-Adria-Weg gefahren. 30 Tage am Stück? Das ist neu und richtig aufregend. Und in Serbein waren wir beide auch noch nie.


Graz: Geld wechseln und in die Gänge kommen

Zuerst zum Grazer Hauptplatz: Geld wechseln und die Gänge einstellen. Birgit wird in den nächsten Wochen noch oft froh sein, dass der kleinste Gang jetzt endlich wieder rein springt. Während der Wartezeit besorgt sie sich die passende Radbrille, ich hole derweil ungarische Forint und serbische Dinar. Dann kann es endlich richtig losgehen.

Der Murradweg in Österreich ist super beschildert (die grünen Amazon-of-Europe-Schilder freuen uns schon), hat genug Labestationen und gute Verpflegung.


Kurz nach Wildon entlasten wir zum ersten Mal den Hintern – und entdecken am Wegrand Baby-Biber! Flauschig und gar nicht scheu. Die Murauen hier sind das zweitgrößte Auwaldgebiet Österreichs und ein richtiges Paradies.


Kleine Qigong-Pause: Hüftkreisen im Stand – zehnmal links, zehnmal rechts, langsam und mit tiefem Atmen. Danach die Schultern weich kreisen. Nach 30–40 km öffnet das die Hüften und den unteren Rücken wunderbar.

Ehrenhausen: Backhendl und Vanilleeis mit Kernöl

Mittagspause in Ehrenhausen. Auf der Karte: Backhendl-Salat mit Kürbiskernöl. Bekommen: Backhendl-Salat ohne Kernöl. Dafür Vanilleeis mit Kernöl. Wir lachen und genießen. Die Steiermark und ihr grünes Gold – manchmal kommt’s eben auf dem Eis statt im Salat.

Weiter geht’s an unzähligen Mais- und Kürbisfeldern vorbei. Vieles davon ist vertrocknet, weil es ewig nicht mehr geregnet hat.


Murecker Schiffsmühle

Kurz vor dem Ziel befindet sich die Murecker Schiffsmühle – die einzige noch funktionsfähige schwimmende Mühle Mitteleuropas in traditioneller Bauweise. 1997 originalgetreu wieder errichtet, dreht sich das große Wellrad im Strom der Mur. Früher gab’s hier dutzende solcher Mühlen. Heute ist sie Wahrzeichen und technisches Juwel mitten in den Murauen. Wegen des bedeckten Wetters schließt das Restaurant bald – wir schauen uns die Mühle an und hören die „Stimme der Mühle“.


Röcksee – Schwimmen als Belohnung

Nach dem Check-in in Mureck fahren wir noch zum Röcksee. 17 Hektar Wasser, warm und heute fast nur für uns. Schwimmen ist der perfekte Ausgleich. Danach im Restaurant mit tollem Ausblick und Eierschwammerl auf der Karte.


Der offizielle Start der Großen Runde liegt noch vor uns – und doch spüren wir schon jetzt: Das wird eine Reise, bei der nicht nur die Kilometer zählen.


Tag 2 - Von Mureck nach Murska Sobota - 49km


Wir starten in Mureck und fahren noch einmal zum eigentlichen Startpunkt des Amazon of Europe Bike Trails.










Bald steht die erste wichtige Entscheidung an: Nordroute oder Südroute? Wir bleiben im Norden und lassen die Südroute (die später durch Slowenien führt) erstmal links liegen - wir wollen die Mur noch ein bisschen länger von der österreichischen Seite begleiten.






Murturm – 168 Stufen und ein bisschen Philosophie


Gleich zu Beginn nehmen wir uns Zeit für den Murturm bei Gosdorf. 27,5 Meter hoch, 168 Stufen in einer eleganten Doppelhelix, die an die berühmte Wendeltreppe der Grazer Burg erinnert. Der Aufstieg ist ein kleines Abenteuer für sich: Die Treppe schraubt sich durch die „Waldetagen“ des Auwalds, und oben eröffnet sich ein herrlicher Rundblick über die Murauen, bis weit nach Slowenien hinein.


Spiral Qigong bietet sich an und fühlt sich in dieser riesigen Spirale sehr aufbauend an.





















Oben stehen wir, atmen tief und philosophieren ein bisschen: „Wo es ein oben gibt, gibt es ein unten.“ Yin und Yang. Auf und Ab. Anstrengung und Belohnung. Ein paar bewusste Atemübungen – einatmen in den Bauch, ausatmen und die Schultern weich sinken lassen – und der Körper merkt sofort: Der Rücken freut sich über die Bewegung nach gestern.



Alte Schleuse und Qigong

Weiter geht’s. An einer alten Schleuse machen wir eine kurze Pause. Hier, mitten in der ruhigen Aulandschaft, üben wir ein paar Qigong-Bewegungen: „Den Bogen spannen, auf den Adler zielen" und ein paar Lockerungsübungen. Drei Minuten reichen. Der Oberkörper wird frei und durchlässig. Perfekt, bevor es weitergeht.







Kurzer Ausflug nach Slowenien und Mittag in Bad Radkersburg

Über eine Fußgängerbrücke wechseln wir für 12 Kilometer kurz nach Slowenien und wieder zurück. Ein erster kleiner Grenz-Tanz. Danach gönnen wir uns in Bad Radkersburg eine kurze Mittagspause.

Zurück am Amazon-of-Europe-Radweg geht es weiter zur Johannesquelle. Ein natürliches Sauerwasser, das aus dem Boden sprudelt und uns richtig erfrischt. Der Geschmack ist mineralisch und etwas herb – genau das Richtige nach den Kilometern. Wir füllen die Flaschen und spüren, wie der Körper dankbar ist.


Danach ein kleiner Umweg, um den berühmten „Grenzstein 1“ zu finden. Leider ohne Erfolg – die Strecke wird unfahrbar, Schotter und Unterholz zwingen uns zum Umdrehen.


Sicheldorf – offiziell nach Slowenien

In Sicheldorf geht es dann endgültig über die Grenze. Ab hier wird die Route mit roten Schildern markiert – leider nicht immer durchgehend. Wir müssen mehrmals anhalten, Karte und Handy zücken und uns neu orientieren. Und Verpflegungspunkte? Eher rar. Umso größer die Freude, als wir im „Coffee Black“ landen: Erdbeereis und Tonic Water. Genau das Richtige, um wieder Energie zu tanken.


Baggersee und Burger-Belohnung

Kurz vor dem Ziel in Murska Sobota machen wir noch einen kleinen Abstecher zum dortigen Baggersee. Abkühlung pur – das Wasser tut den Beinen und dem Kopf unglaublich gut. Danach haben wir uns den Burger im „Bunker“ (empfehlenswert!) redlich verdient. Birgit gönnt sich dazu ein Schoko-Bier (ja, wirklich), ich bleibe beim slowenischen Klassiker.



Fazit Tag 2

Der erste Abend in Slowenien: Ein Tag voller Gegensätze: oben und unten am Murturm, Österreich und Slowenien, Sauerwasser und Schoko-Bier, klare Beschilderung und plötzliche Orientierungslosigkeit. Genau so, wie Yin und Yang es vorschreiben: Wo es Anstrengung gibt, gibt es auch Belohnung.

Der europäische Amazonas hat uns heute schon gezeigt, dass er nicht nur Natur, sondern auch kleine Abenteuer und Überraschungen bereithält. Morgen geht’s weiter durch das pannonische Flachland – und wir sind gespannt, was der nächste Tag bringt.




Tag 3: Über die Liebesinsel und 3x Bistrica nach Lendava - 45km


Der Tag beginnt mit einer Wirbelsäulenübung – Kranich-Qigong – und einem "unglaublichen" (Zitat Birgit) Frühstück - das beste Frühstück der Reise). Genau die richtige Basis, bevor es rausgeht. Und wir dürfen uns ein Lunchpaket zusammenstellen.

Wir müssen ein Stück denselben Weg zurückfahren, den wir gestern gekommen sind.





Wenig später landen wir in Ižakovci auf der berühmten Liebesinsel (Otok ljubezni). Eigentlich ist es eine Halbinsel, die von oben wie ein Herz aussieht. Und genau dieses Herz regt uns zur fünften Brokatübung aus dem Qigong an: Das Herzfeuer vertreiben.



Hier gibt’s auch die schwimmende Schiffsmühle (den einzigen noch funktionierenden plavajoči mlin seiner Art in Slowenien) und die traditionelle Fähre, auf Slowenisch „brod“. Zwei flache Boote, verbunden durch eine Plattform, an einem Seil über die Mur. Romantisch und historisch zugleich – es gibt sogar die Legende von der gräflichen Marija Zichy und dem Müllerssohn, die sich hier heimlich trafen.

Weitere Qigong-Übungen vor Ort (falls du mal da bist – sehr empfehlenswert!):Den Mühlstein drehen – große kreisende Armbewegungen, als würde man den Mühlstein der Schiffsmühle drehen. Und Der Kranich prüft das Wasser – ein Bein heben, den „Fuß“ vorsichtig ins Wasser tippen, Standbein stabil halten. Perfekt für Gleichgewicht und Fokus.



Der schönste Abschnitt des Tages

Nach der Liebesinsel sofort rechts in den Wald und am Weg an der Mur bleiben. Das ist einer der schönsten Abschnitte der ganzen Tour – dichte Auwälder, das Rauschen der Mur, Vögel, Schatten. Auch wenn man zwischendurch mal kurz schieben muss: Es lohnt sich. Bis zum brod Melinci gibt es mehrere tolle Rastplätze, an denen man einfach nur sitzen und genießen kann.

Danach raus auf Asphalt und durch die drei Bistricas: Gornja Bistrica, Srednja Bistrica und Dolnja Bistrica Richtung Hotiza.


















Der Schotter-Marathon

Ab hier wird’s ernst. Der Weg ist erstmals extrem schottrig – große Steine, schwer fahrbar für unsere Stadträder, und es ist richtig heiß. Dazu kommt: Die Beschilderung lässt zu wünschen übrig, eine wichtige Abzweigung ist kaum zu erkennen. Über eine Stunde kämpfen wir uns vorwärts.


Endlich landen wir in Velika Polana (vormals „Teufelsloch“) und in einem netten Café. Die Erleichterung ist groß. Velika Polana ist übrigens auch als europäisches Storchen-Dorf bekannt – aber heute freuen wir uns vor allem über Kaffee und Schatten.

Dann 2 Kilometer richtig schön und kühl durch den Wald – ein kleines Geschenk. Doch die letzten 7 km bis Lendava fordern uns noch einmal alles ab: wieder Schotter, Hitze und Gegenwind. Wir beißen die Zähne zusammen.


Ankunft und Fazit Tag 3

In Lendava angekommen, ist der dritte Tag vollendet. Und die große Erkenntnis des Abends: Knie, Hüften und Hintern halten!

Der Körper macht mit. Die Qigong-Übungen von morgens und an der Liebesinsel haben sich bezahlt gemacht.


Tag 4 - steil, heiß und lang nach Letenye - Nationalfeiertag in Ungarn - 70km

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