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Vagusnerv-Training und Qigong

Aktualisiert: 21. März

Sanfte Nacken-/Hals-Übungen zielen Zielt direkt auf den Vagus-Verlauf im Nacken → löst Spannung, verbessert ventralen Vagus-Tonus
Sanfte Nacken-/Hals-Übungen zielen Zielt direkt auf den Vagus-Verlauf im Nacken → löst Spannung, verbessert ventralen Vagus-Tonus

Der Vagusnerv (Nervus vagus) ist der längste und wichtigste Hirnnerv des parasympathischen Nervensystems – also des Teils, der für „Rest & Digest“ (Ruhe, Erholung, Verdauung) zuständig ist. Er steht im direkten Gegensatz zum sympathischen Nervensystem („Fight or Flight“ = Kampf oder Flucht, Stressmodus).

In unserer modernen Welt leben die meisten Menschen viel zu lange im Sympathikus-Modus (ständiger Stress, Hektik, Leistungsdruck, schlechter Schlaf). Das führt zu einem schwachen Vagus-Tonus (niedrige vagale Aktivität), was messbar ist z. B. über eine geringe Herzratenvariabilität (HRV).

Vagusnerv-Training (durch Atmung, Qigong, Summen, Kälte, Lachen usw.) stärkt genau diesen Tonus – und das hat sehr weitreichende, wissenschaftlich gut belegte Effekte auf Körper und Psyche.


Kurze Übersicht – was ein guter Vagus-Tonus bringt (wissenschaftlich belegt)

Bereich

Effekt durch starken Vagus-Tonus

Marker / Studienevidenz

Stress & Erholung

Schnellere Rückkehr in Ruhe, weniger Burnout

Höhere HRV, niedriger Cortisol

Entzündungen

Starke Dämpfung systemischer Inflammation

↓ CRP, IL-6, TNF-α

Herz

Niedrigerer Ruhepuls, stabiler Blutdruck, Schutz vor Stress-Schäden

Hohe Herzratenvariabilität (HRV) = geringeres Herzrisiko

Psyche

Weniger Angst/Depression, bessere Emotionsregulation

Zugelassene Therapie bei Depression/PTSD

Verdauung

Bessere Motilität, weniger Reizdarm

Darm-Hirn-Achse

Immunsystem

Ausgeglichene Reaktion, weniger chronische Entzündung

cholinerge anti-inflammatorische Reflex (CAIR)

Altern

Verlangsamtes biologisches Altern

Höhere Lebenserwartung in Studien


Qigong

Qigong eignet sich hervorragend als Basis für Vagusnerv-Training, weil es genau die Elemente kombiniert, die den Vagusnerv (den wichtigsten Nerv des parasympathischen „Ruhe-und-Verdau-System“) natürlich stimulieren: tiefe Bauchatmung, sanfte Wirbelsäulen- und Nackenbewegungen sowie Achtsamkeit und Entspannung. Der Vagusnerv verläuft vom Gehirn durch Nacken, Brust und Bauch und wird besonders durch langsames Atmen, Nackenbewegungen und Vibrationen/Entspannung aktiviert. Qigong erhöht nachweislich die Herzratenvariabilität (HRV) – ein objektiver Marker für guten Vagus-Tonus – und schaltet den Körper in den Parasympathikus-Modus.


So nutzt du Qigong gezielt für Vagusnerv-Training

Konzentriere dich in jeder Übungseinheit auf diese drei „Vagus-Hebel“ (10–20 Minuten täglich reichen oft):

  1. Tiefe Bauchatmung mit langem Ausatmen und kohärenter Atmung Atme tief in den Bauch ein atme langsam und lang aus, um rasch zu entspannen (z. B. 4 Sekunden ein, 6 Sekunden aus).

    Wenn Du entspannt bist wechsle zur kohärenten Atmung - 5,5 Sekunden ein und 5,5 Sekunden ausatmen. Siehe Kohärentes Atmen und Qigong Beim Ausatmen lächelnd seufzen oder leise „Haaaa…“ oder „Ahhh“ sagen. → Das ist die stärkste natürliche Vagus-Stimulation und in fast jedem Qigong enthalten. Viele Übungen sind gleichzeitig Vagus-Atmung.

  2. Sanfte Wirbelsäulen- und Nackenbewegungen (der Vagusnerv läuft direkt durch den Nacken)

    • Schulterkreisen (ruhig vor- und zurück) - Seidenfadenübungen

    • Langsame Oberkörper-Drehungen - Das Qigong des weißen Kranichs und Seidenfadenübungen

    • Nacken-Lockerung

    • Fließende Wirbelsäulen-Bewegungen - z. B. Wellen-Bewegungen aus dem Kranich-Qigong


  3. Spezielle Qigong-Übungen, die besonders gut wirken

    • Kranich-Qigong: Die Wellenbewegung der symmetrischen Übungen bis in den Nacken sind direktes Training für den Vagus. Die Drehbewegungen der asymmetrischen Bewegungen für den Oberkörper. Der Wechsel von raschen und großen sowie kleinen und langsamen Bewegungen macht dem Nervensystem den Unterschied zwischen sympathischen und parasympathischen Zuständen klar. https://youtu.be/zvTvoI_FQzQ

    • Schüttelübung: Ganzkörper-Schütteln, um sympathische Spannung loszulassen und in den ventralen Vagus-Modus (Sicherheit & Verbindung) zu kommen https://youtu.be/0EJdMnm34Ms

    • Seidenfadenübungen: tiefe Bauchatmung kombiniert mit dreidimensionaler Beweglichkeit im Oberkörper; langsame fließende Bewegungen, oft gut kombinierbar mit kohärenter Atmung: https://youtu.be/KamGImitcYM

    • Die Sechs Heilenden Laute des Qigong: oder auch "hmmmmh" Vibration und Summen. Starke Vibration der Stimmbänder führt zur direkten Stimulation des Vagus im Halsbereich und Ohrhttps://youtu.be/SETmnn-jg9Y


Was fehlt beim reinen Qigong für ein komplettes Vagusnerv-Training?

Qigong deckt Atmung, sanfte Bewegung und Achtsamkeit fast perfekt ab – das sind die stärksten und wissenschaftlich besten Methoden. Es fehlen aber meist diese ergänzenden Reize, die den Vagus noch breiter und schneller trainieren:

  • Kälteexposition (Diving-Reflex): regelmäßiges Eisbaden oder einfach das Gesicht 30 Sekunden in kaltes Wasser tauchen oder kaltes Gesichtsbad. Sehr starke, sofortige Vagus-Aktivierung.

  • Spezielle Selbstmassage: Ohr-Massage (besonders die Mulde oben am Ohr (cymba concha)), Hals- oder Nacken-Massage direkt am Vagus-Verlauf.

  • Intensiveres oder intervallartiges Training: Ausdauer-Elemente (z. B. schnelles Gehen, leichtes Joggen) – Qigong ist bewusst sanft und langsam.

  • Lachen und starke soziale Verbindung (Umarmungen, Augenkontakt) – Gruppen-Qigong hilft etwas, reicht aber oft nicht aus.


Fazit & Empfehlung

Mit Qigong allein hast du schon 70–80 % eines sehr guten Vagus-Trainings – besser als die meisten anderen Methoden. Für ein rundes, komplettes Training ergänze einfach 1–2 der fehlenden Elemente (z. B. täglich 1 Minute kaltes Gesicht, Ohr-Massage, sanftes Ausdauertraining). Das dauert zusammen nur 5–10 Minuten extra und macht den Unterschied spürbar (bessere Stress-Resilienz, tiefere Entspannung, bessere Verdauung, weniger Angst).

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