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Unterwegs am europäischen Amazonas - Tag 17 bis 29: Südroute und Heimfahrt

vor 8 Stunden
15 Min. Lesezeit

4 Wochen entlang von Mur, Drau und Donau -

durch 5 Länder und mit der besten Ehefrau der Welt


In 16 Tagen sind wir von Graz nach ins steirische Mureck zum Start des "Amazon of Europe Bike Trails" gefahren, sind von dort über Slowenien, Ungarn, Kroatien und Serbien geradelt – entlang von Mur, Drau und Donau - 691km lang bis nach Erdut.

Wir erlebten Baby-Biber und schwimmende Mühlen, die Hitze der Dämme, Weinberge und Thermen, den Teufelsberg von Harkány, den Zusammenfluss von Mur und Drau, holprige Schotterpisten, Kanutouren und den ersten Blick auf die Donau.

Wir badeten, qigongten, aßen Fiš Paprikas und Dobostorte, verloren Handtücher, fanden Weinkeller und freilaufende Hunde. Wir sahen Julka von beiden Seiten, schwammen in der Donau und überblickten am Abend in Erdut die letzten sieben Tage von 100 Metern Höhe.

Den ersten Teil dieses Abenteuers kannst du hier nachlesen.


Jetzt beginnt die Rückreise. 13 Tage Richtung Heimat.

den ungefähren Streckenverlauf kannst du dir hier ansehen


Tag 17: Beginn der Rückfahrt an der Südrout des AoE - Amazon of Europe - 31km


Wir bekommen ein Frühstück im Wein-Proberaum serviert von Ivo. Gerne nehmen wir auch zwei Flaschen Wein von diesem ausgezeichneten, kleinen Weingut mit.


Zusammenfluss Donau/Drau und Kopački Rit


Heute besuchen wir wieder den Zusammenfluss von Drau und Donau – dieses Mal von kroatischer Seite.









Es ist ein tolles Wohngebiet, aber überall ist deutlich sichtbar, wie wenig Wasser die Donau führt: Stege verlaufen viele Meter vom Ufer entfernt einfach ins Leere.

Wir sind also im Nature Park Kopački Rit. Dieses rund 23.000 Hektar große Feuchtgebiet am Zusammenfluss von Drau und Donau gehört zu den größten und am besten erhaltenen Auenlandschaften Mitteleuropas. Es ist ein wichtiger Lebensraum für über 290 Vogelarten (darunter Weißschwanzadler und Schwarzstorch), unzählige Fische und gilt als „Herz des Donau-Gebiets“ und Teil des UNESCO-Biosphärenreservats Mura-Drava-Donau.












Wir nutzen die Kraft der zwei Flüsse für Qigong- und Taiji-Übungen. Danach sind wir wieder 10 km lang auf einer Rumpelpiste – unsere Handgelenke und der Rücken haben sich schon an die Herausforderungen gewöhnt. Wir fügen mehrere kleine und einen längeren Stopp ein zum Schwimmen in der Drau.


Der Weg zur River School in Velika Polana bei Lendava ist unterschiedlich lang - je nachdem was für ein Geschöpf du bist
Der Weg zur River School in Velika Polana bei Lendava ist unterschiedlich lang - je nachdem was für ein Geschöpf du bist













Ankunft in Osijek


Unsere Tagesetappe führt uns nach Osijek, wo wir im historischen Zentrum das kleine und sehr feine Hotel Maksimilian beziehen. Zuallererst müssen wir dort versprechen, beim Frühstück Eier zu bestellen 😊








Nach einer kurzen Pause im Garten folgt ein Rundgang durch dieses alte Zentrum.

Die Altstadt bzw. Festung Tvrđa ist die am besten erhaltene barocke Festungsanlage Kroatiens und gilt als eines der bedeutendsten Beispiele barocker Militär- und Stadtarchitektur in Mitteleuropa. Im 18. Jahrhundert als Habsburger Sternfort an der Drau errichtet, beherbergt sie heute Kirchen, Museen, Schulen und zahlreiche Cafés und Bars.

Es ist dort nicht viel los – nicht nur wegen der Hitze. Das Leben spielt sich mehr auf der anderen Drau-Seite an der „Copacabana“ statt und flussaufwärts im modernen Zentrum an der Drau mit mehreren Restaurants und Cafés direkt an der Drau-Promenade. Hier pulsiert das moderne Osijek: Lange Uferpromenade, Cafés mit Blick auf den Fluss und abends ein ganz anderes Flair als in der stillen Tvrđa.








Restaurant Projekt 9

Nach einer kurzen Pause im Zimmer gehen wir los. Wir denken, dass es uns gut tut, einmal nicht am Rad zu sitzen – aber für die 1,5 km zum Restaurant Projekt 9 hätten wir dann doch lieber die Räder genommen.



Das Restaurant Projekt 9 befindet sich auf einem Schiff in der Drau und bietet einen wunderbaren Blick aufs Wasser. Hoch über uns der Damm. Es gilt als eines der schönsten Locations in Osijek und kombiniert moderne und traditionelle Küche mit dem besonderen Flair, direkt auf dem Fluss zu speisen.

Es werden uns dort ausgezeichnete Nudeln mit Tintenfisch und Frühlingsrollen serviert.


Der Abend

Wir sitzen auf dem Schiff, blicken auf die Drau und spüren: Die Rückreise hat offiziell begonnen. Wir haben den Zusammenfluss von beiden Seiten gesehen und werden nun lange zeit an der Drau sein. Wir haben

Osijek mit seiner stillen Tvrđa und der lebendigen Drau-Promenade erlebt.

Ein schöner Start in die Heimfahrt.



Tag 18: Kein Ruhetag - 32km


Eigentlich ist ein Ruhetag eingeplant. Vor der Reise dachte ich, das wird nach fast drei Wochen Radeln unbedingt nötig sein. Aber wir sind erstaunlich fit und beschließen, einen Ausflug ins Besucherzentrum von Kopački Rit zu machen. Manchmal ist der beste Ruhetag der, an dem man trotzdem rausgeht.


Frühstück und „Dobro jutro“

Wir

begrüßen die Köchin beim Frühstück mit „Dobro jutro“ – mittlerweile schon recht routiniert. Es klingt so echt, dass das Gespräch sofort auf Kroatisch weitergeführt wird. Leider verstehen wir davon kein Wort. Das wird uns in weiterer Folge noch ein paar Mal passieren: Unsere Gesprächspartner glauben ernsthaft, wir könnten Kroatisch, und plappern munter weiter.

Wir lassen uns Zeit beim Frühstück und bestellen Spiegeleier. Und ich bestehe darauf, die Räder mit einem kleinen Service zu verwöhnen. Vor allem meine Schaltung hat das dringend nötig – sie hat in den letzten Tagen gerne mal „verweigert“. Nach Öl, Justierung und ein paar liebevollen Handgriffen läuft es spürbar besser, als wir Richtung Naturpark fahren.


Bootstour durch das Binnendelta

Wir kommen um 9:45 Uhr am Besucherzentrum an und erfahren, dass um 10:00 Uhr ein Schiff ablegt, das den Naturpark vom Wasser aus erkundet. Was für ein Glück!

So erleben wir ein einzigartiges Binnendelta im Bereich, wo die Drau in die Donau fließt – jenes seltene „innere Delta“, das Helmut Grosina in seinem Buch Drei Staaten – eine Region. Zwei Flüsse und ein Binnendelta so treffend beschreibt. Hier formen Donau und Drau gemeinsam eines der größten und am besten erhaltenen Feuchtgebiete Mitteleuropas.

Die Bootstour führt uns durch den speziellen zoologischen Reservatsteil. Unglaublich viele Vögel sind zu sehen. Birgit entdeckt im Wasser plötzlich eine Schlange, die gemächlich durchs flache Wasser gleitet, und am Ufer ist ein Schakal gar nicht scheu – er steht einfach da, schaut uns neugierig an und trottet dann unbeeindruckt weiter in den Schilfgürtel.












Nach der Bootstour verbringen wir eine Weile im schattigen Café Lopoč und spazieren auf den nett angelegten Wegen und Holzstegen (der „White Water-Lily Boardwalk“) durch dieses faszinierende Gebiet. Die Stege führen mitten durch die Auen und geben einen wunderbaren Einblick in diese lebendige Wasserwelt.


Schwimmen und Abendessen

Am Rückweg machen wir noch einen Stopp an der „Copacabana“ von Osijek und nutzen die Kraft der Drau wieder einmal als Gegenstromanlage. Das Wasser ist angenehm und der Ausgleich nach der Bootstour perfekt.


Die St. Peter und Paul Kirche in Osijek sieht von außen viel größer als von innen - und ist auch gar nicht so alt.
Die St. Peter und Paul Kirche in Osijek sieht von außen viel größer als von innen - und ist auch gar nicht so alt.










Nach einem kurzen Stopp im Hotel zum Kleidungswechsel schwingen wir uns nochmals aufs Rad und fahren zum Restaurant Kompa – einem gemütlichen Familienrestaurant direkt an der Drau mit schöner Terrasse. Dort gönnen wir uns ein Gypsy-Schnitzel und Calamares vom Grill. Satt, zufrieden und mit dem Gefühl, einen „Ruhetag“ der besonderen Art erlebt zu haben, rollen wir zurück ins Hotel Maksimilian. Manchmal ist der beste Ruhetag der, an dem man trotzdem in Bewegung bleibt.



Tag 19: Tempo, Industrie und privater Pool - 40km

Wieder genießen wir das sehr persönliche Frühstück im Hotel Maksimilian. Fast 20 km lang folgen wir einem Radweg aus Osijek raus, nachdem wir im Zentrum unser Bargeld und Zahnpaste-Vorräte aufgestockt haben. Zwar neben der Straße, aber ein durchgehender, eigener, breiter Radweg entlang einer Hauptausfahrtsstraße. Das ist immer wieder beeindruckend, wenn man die Radweg-Situation in so mancher österreichischen Stadt kennt, die oft ein Flickwerk aus einzelnen Abschnitten darstellt.

Lieber ist uns dann aber wieder die Nebenstraße mit kleinem Radweg. Die Technik, Beinen und Gesäß zu entlasten ist perfektioniert 😊. Wir sind folglich viel zu schnell unterwegs – wenn das so weitergeht, sind wir noch vor dem Mittagessen am Ziel.


Also machen wir zwei ausführliche Café-Stopps, unter anderem in Valpovo, das eine große und verführerische Fußgängerzone hat.


Die Legende von der Weißen Dame von Valpovo
Burg Valpovo
Burg Valpovo

Die berühmte Legende der Weißen Dame (kroatisch bijela gospoda oder valpovačka sablast) ist eng mit dem Schloss Prandau-Normann in Valpovo verbunden.

Im Jahr 1838 war der kaiserliche Rittmeister Kuschmann (auch Kušlan genannt) als Gast im Schloss des Barons Gustav Prandau. Er war krank und suchte Heilung in den Eisenquellen der Gegend. In den Nächten erschien ihm der Geist einer jungen Frau in weißem Gewand. Sie erzählte ihm, sie sei vor hundert Jahren ermordet worden und ihr Leichnam sei zwischen dem Eiskeller und der Schlosskapelle versteckt worden – mit dem Kopf nach unten.

Die Weiße Dame erklärte, sie könne erst zur Ruhe kommen, wenn ihre sterblichen Überreste ausgegraben und in geweihter Erde bestattet würden. Nur dann würde auch der kranke Offizier wieder genesen (und angeblich sollte man auch ein verstecktes Schatz finden).

Baron Prandau glaubte dem kranken Gast zunächst nicht und hielt die Erscheinung für eine Halluzination. Doch Kuschmann blieb hartnäckig. Schließlich ließ der Baron an der beschriebenen Stelle graben – und man fand tatsächlich das Skelett einer Frau.

Viele glauben, es handele sich um die mutige Katarina, die bei der Verteidigung der alten Valpovo-Festung gegen die Türken im 16. Jahrhundert eine heroische Rolle gespielt haben soll.

Nachdem die Gebeine anständig bestattet worden waren, verschwand der Geist für immer. Rittmeister Kuschmann genas vollständig.


Belišće und die Industrie

Irgendwie wären wir gerne hier für Nächtigung und Essen geblieben, aber wir sollen weiter nach Belišće ins Hotel „Industrial“. Das klingt nicht so verführerisch.Tatsächlich wird der Ortsteil, in dem wir landen, von einem großen Industriegelände geprägt. Belišće entstand 1884 rund um

die Sägemühle der Familie Gutmann und entwickelte sich rasch zu einer klassischen Industriekolonie mit Fabriken, Arbeiterwohnungen und eigener Infrastruktur. Über Jahrzehnte war der Ort ein bedeutendes Zentrum der Holz- und später der Papier- und Verpackungsindustrie – der Kombinat Belišće gehörte zu den größten seiner Art in Jugoslawien und produzierte Zellstoff, Papier und Kartonagen für den Export. Auch heute noch prägen große Industrieanlagen das Stadtbild und geben dem Ort seinen charakteristischen, etwas rauen Charme. Die vormaligen Arbeiterwohnungen sind teils verfallen, teils sehr hübsch renoviert und mit großen Plätzen verbunden, an denen sich auffällig viele Restaurant tummeln.



Das Hotel „Industrial“ ist modern, sauber und voll in Ordnung. Wir essen erst mal und wollen uns zum Vorort Bistrinci aufmachen, der direkt an der Drau liegt und auch auf unserer morgigen Strecke.








Privater Pool an der Drau

Dorthin zu gelangen ist gar nicht so leicht. Unsere Orientierung ist zwar ganz gut, aber viele mögliche Wege werden uns von Zäunen, die das Industriegelände begrenzen, unmöglich gemacht. Schließlich fahren wir über den Hauptweg und finden einen sehr schönen Platz an der Drau, die uns mit einem großen „Privatpool“ verwöhnt: Eine Sandbank hat einen sehr großen, ruhigen Bereich geschaffen, den wir zum Schwimmen nutzen können. Das Wasser ist angenehm, und wir haben das Gefühl, einen privaten Badeplatz ganz für uns zu haben.


Abend und Ausblick auf morgen

Abends genießen wir ein Eis und das für die Region sehr typische Spiel von Wasser und Licht am Springbrunnen.

Wir sind ein wenig nervös, da morgen wieder eine 70 km lange heiße Etappe auf uns wartet – mit teils unbekanntem Untergrund und am Zielort kein Essen, das auf uns wartet.


Tag 20: lang und falsch - 70km

Wir starten um 7:00 Uhr mit einem „Industrial-Frühstück“, das uns in einer Kantine angeboten wird. Alles steht schon bereit – Brot, Aufstriche, Wurst, Käse – und nach ein paar Minuten taucht die freundliche Köchin auf und fragt, wie wir unsere Eier gerne hätten. Wir sind positiv überrascht. Wir essen zügig und machen uns so früh wie möglich auf – ein langer Tag wartet auf uns.


Der Weg der Herausforderungen

Den guten Weg raus aus Belišće kennen wir ja schon von gestern. Danach geht es rasch auf eine Rumpelpiste. Zwei Kilometer später wird der Untergrund sandig und wir müssen schieben.













Toll! Die Räder sinken ein und der Gedanke „Wenn das so weitergeht, kommen wir heute nicht mehr an“ schleicht sich unweigerlich ein. Der Weg wird nich besser.

Es wird heiß, der Tag bietet wenige Möglichkeiten für Stopps und Erholung. Als wir halbwegs weiterfahren können, folgen drei sehr lange Geraden in der prallen Sonne, durch gering entwickelte Dörfer mit verfallenen Häusern und wenig Schatten. Die Landschaft wirkt menschenleer, die Hitze drückt.


Ivanovo und die verpasste Abzweigung

Wir freuen uns auf Ivanovo, eine etwas größere Stadt – aber auch das ist alles Baustelle. Wir müssen über Schotter fahren, und durch die Baustelle sind einige Schilder abhandengekommen. So versäumen wir eine wichtige Abzweigung.

Wo bitte geht´s weiter?
Wo bitte geht´s weiter?

Es wird uns langsam bewusst, dass wir irgendwie in die falsche Richtung fahren. Der Weg von Mureck entlang der Südroute bis Osijek ist ganz gut beschildert – wir fahren aber in die Gegenrichtung, und da ist oft nichts zu sehen. Erst nach der Abzweigung merken wir, ob wir richtig sind. Ab sofort drehen wir uns bei jeder Kreuzung um auf der Suche nach relevanten Schildern. Ob das gut für die Halswirbelsäule ist?


Donji Miholjac und die ewigen Geraden

Ein guter Teil des AoE verläuft entlang derartiger "Kanäle", oft auch hübsch begrünt. Ein gewohntes Bild
Ein guter Teil des AoE verläuft entlang derartiger "Kanäle", oft auch hübsch begrünt. Ein gewohntes Bild

In Donji Miholjac – wir sind ganz nah bei Harkány und überlegen nur ganz kurz, nach Ungarn zu radeln – finden wir auch kein Café. Dafür einen gemütlichen Park und ein kleines Geschäft, in dem wir für unser Abendessen etwas mitnehmen. Ich bin vorsichtig, damit es nicht wieder so scharf wird (wir sind zwar nicht mehr in Ungarn, aber wer weiß?).

Es folgen wieder drei seeeehr lange Geraden mit vielen verfallenen Häusern. Die Sonne brennt, der Wind steht still, und wir fühlen uns, als würden wir ewig geradeaus fahren.












Dann taucht plötzlich doch ein Café auf. Die haben zwar nicht das übliche Mineralwasser, aber zwei Kaffees und ein Wasser mit Orangengeschmack, das wir uns rasch runterstürzen. Kleine Freuden retten den Tag.


Sturm und Entscheidung


Da wo der Baum liegt, sind wir gerade nach gefahren
Da wo der Baum liegt, sind wir gerade nach gefahren

Endlich führt unser Weg Richtung Drau (juhu!), da zieht ein Sturm auf. Der Himmel verdunkelt sich, der Wind frischt auf. Kurz nachdem wir die Räder abgestellt haben, kracht 100 Meter hinter uns ein Baum auf die Fahrbahn.











Wir haben zwar einen tollen Platz am Wasser, aber ein ungutes Gefühl. Also wird es nur ein Mini-Stopp ohne Baden. Wir sehen, dass wir den Wald rasch hinter uns lassen müssen – zurück können wir eh nicht mehr. Wir finden wieder eine Straße, aber als der dritte LKW knapp an mir vorbeirast, bin ich nicht sicher, was sicherer ist: Wald mit Sturmböen oder diese Straße. Wir entscheiden uns doch wieder für die Rumpelpiste durch den Wald. Noch 15 km.












Die letzte Etappe und Ankunft


Beginn eines Radweges - Fortsetzung folgt?
Beginn eines Radweges - Fortsetzung folgt?
Das ist eine mal eine gute Lage! Ende des Radweges - ab in die Bar
Das ist eine mal eine gute Lage! Ende des Radweges - ab in die Bar






Als wir den Wald wieder verlassen sind wir kurz wieder auf der Straße, doch dann finden wir einen neu angelegten Radweg, der rasch wieder endet – und zwar mitten in einer Bar! Der "Radweg" führt tatsächlich eng zwischen Hausmauer und den sitzenden Gästen vorbei. Die Leute schauen uns erstaunt an, während wir uns durchquetschen. Kurz darauf erleben wir das gleich wieder. Im kleinen Ort vor unserem Ziel entdecken wir eine kleine Bäckerei - wir kaufen 2 Topfenstrudel á € 1,- bei einer freundlichen Dame. Wir müssen ziemlich fertig aussehen, denn als der Chef uns sieht, schenkt er uns eine großen Sack voll Brot und Stangerl. Er duldet auch keine Widerrede!


Bis wir im Posjetiteljski centar Dravska priča ankommen, sind wir 7,5 Stunden am Rad gesessen.

Dieses moderne Besucherzentrum in Noskovci ist ein modernes ist ehemaligen Sommerpalais der Grafen Drašković untergebracht und Teil des Regionalparks Mura-Drava.













Es bietet interaktive Multimedia-Ausstellungen über die reiche Flora und Fauna der Drau-Auen, eine Bio-Forschungsstation und vor allem ein Storchenschutzzentrum, in dem verletzte und erschöpfte Störche gepflegt und später wieder freigelassen werden. Mir fällt auf, dass ein Storch außerhalb des Geheges ist: Wer das ist, erfährst Du hier. Die Anlage mit ihren Stegen, Gärten und dem historischen Ambiente, Ziegen und Rindern ist ein wunderbarer Ort, um die Natur des europäischen Amazonas hautnah zu erleben. Wie im ersten Zentrum, in dem wir übernachtet haben, werden wir über nach alleine gelassen und habe das 3ha große Anwesen für uns.



Abend und Erholung

Wir rasten uns aus, machen uns frisch – wir haben zwei Einzelzimmer bekommen (?) – und erkunden das Zentrum im Untergeschoss mit seiner Multimedia-Präsentation. Die interaktiven Stationen über Biber, Vögel, Fische und die Dynamik der Drau sind faszinierend und ein schöner Abschluss des langen Tages.

Danach haben wir uns für heute unser Abendessen verdient: Es gibt Nudeln mit Tomatensoße und Sardellen aus der Dose, wie sie hier gerne zum Frühstück angeboten werden. Einfach, aber nach 7,5 Stunden im Sattel schmeckt es wie ein Festmahl. Und auch wenn es hier kein Restaurant gibt - eine Bar gibt es doch 😊😊😊.


Fazit Tag 20

Ein langer, heißer, teilweise falscher und durchaus nervenaufreibender Tag: Industrial-Frühstück mit Eier-Wunsch, sandige Schiebepassagen, verpasste Abzweigungen und Halswirbelsäulen-Training, Sturm, umfallende Bäume, ein Radweg mitten durch eine Bar und endlich die Ankunft in Dravska priča.


Tag 21 – Barrieren - 60km

Wir sitzen beim Sonntagsfrühstück. Die Dame an der Rezeption ist extra für uns am Sonntagmorgen sehr früh aufgestanden, um uns etwas herzurichten. Das geschenkte Brot vom Vortag können wir nun verwenden, sonst gibt es viel Wurst und Käse, Tee und Kaffee.

Wir werden ein wenig nachdenklich. In dieser tollen Natur und Umgebung erfahren Kinder und Erwachsene viel über Naturschutz und die Einflussmöglichkeiten des Menschen. Dass das Hand in Hand gehen könnte mit biologisch hergestellten Lebensmitteln, ist hier noch nicht angekommen. Stattdessen stehen einzeln verpackte Nespresso-Portionen, einzeln verpackte Schmelzkäse und Wurst, die sicher nicht bio sind. Auch in den Supermärkten gibt es das meist gar nicht gekennzeichnet. Aus unserer Sicht steht da noch ein weiter Weg bevor.













Dann wärmen wir uns im wunderschönen Wintergarten noch kurz auf, bevor wir los müssen – die heutige Etappe ist nicht viel kürzer als die gestrige. Wir verabschieden uns von den Störchen und haben wieder die Sonne im Rücken, als wir losdüsen. Es geht also nach Westen, Richtung Heimat. Immer öfter sind nun auch blühende Sonnenblumen am Wegesrand zu sehen.


Wir sind auf unserem bekannten Damm-Weg unterwegs, doch heute blockieren immer wieder Schranken unseren Weg. Eine davon nützen wir, um Taiji in den Alltag zu bringen 😊. Ein paar zusätzliche Minuten „Damm-Taiji“ – und der Körper fühlt sich wieder freier an.






Discover Drava – Mutprobe

Nach etwa 35 km ist eine Abzweigung „Discover Drava“ ausgeschildert. So etwas folgen wir gerne. In diesem Fall muss man aber sehr mutig sein, um zu einem der tollsten Badeplätze der Reise zu kommen.




Über die erste Brücke schiebe ich mein Rad noch – Birgit hat ihres schon längst zurückgelassen. Bei der zweiten Brücke taste ich mich dann mit leichtem Gepäck und ohne Rad

langsam voran. Die Brücke hält sicher kein Jahr mehr, aber uns hält sie dieses Mal noch aus! Dann wartet tatsächlich ein wunderbarer, einsamer Badeplatz an der Drau. Wir genießen das kühle Wasser und fühlen uns belohnt für den Mut.


Die nächste Barriere in Kapela Dvor

In Kapela Dvor angekommen erwartet uns die nächste Barriere: Sonntag ist alles zu, auch Lieferdienst ist nicht vorhanden. Die junge Dame an der Rezeption – „I’m new“ – ist total bemüht, trotz deutlicher Sprachbarriere. Sie telefoniert einige Zeit, aber vergeblich.

Schließlich meint sie, sie wird uns einen „Salat“ herrichten. Als wir in den Keller zum Essen kommen, erwartet uns… richtig geraten: eine Menge Wurst, ein bisschen Gemüse und Brot.


Das Hotel Kurija Janković im Internet:

Das Hotel Kurija Janković in Kapela Dvor ist ein charmantes 4-Sterne-Heritage-Hotel, das in einer eleganten Adelskurie aus dem 19. Jahrhundert untergebracht ist. Die Kurie wurde um 1880 unter Geza pl. Janković in ihrem heutigen Stil fertiggestellt und nach einer liebevollen Renovierung 2016 als Boutique-Hotel wiedereröffnet. Mit 18 stilvollen Zimmern, einem Restaurant, einer Bar und einem Garten bietet es Gästen eine Mischung aus historischem Flair und modernem Komfort. Besonders hervorzuheben ist die Lage mitten im UNESCO-Biosphärenreservat Mura-Drava-Donau und direkt an den Radwegen der Drava-Route und des EuroVelo 13. Viele Gäste schätzen die ruhige Atmosphäre, die freundliche Betreuung und die Möglichkeit, den europäischen Amazonas von hier aus per Rad oder zu Fuß zu erkunden.


Ich finde es cool und verrückt zugleich, einer neuen Angestellten an einem Sonntagabend die Leitung für ein Hotel zu übertragen. Sie meistert die Situation mit Charme und Improvisation – und wir landen am Ende doch noch satt und mit einem Lächeln im Bett. Der Tag war voller Hindernisse – und doch voller kleiner Abenteuer und schöner Momente.



Tag 22 – Zeichen setzen - 40km

Wir starten mit einem Frühstück im Keller – das klingt schlimmer als es ist. Der Raum ist gemütlich und wir bekommen alles, was wir brauchen. An diesem Tag erwarten uns wieder 100 % Asphalt und nur 40 km.

Gleich am Morgen machen wir wieder einen Abstecher zur Drau und nutzen einen Steg über dem Wasser für Qigong (Armin) und Taiji (Birgit). Die Bewegung über dem fließenden Wasser fühlt sich besonders an – ein schöner Start in den Tag.



Križnica – die kroatische Enklave

Dann geht es weiter nach Križnica. Das ist ein lustiger Teil nördlich der Drau, der zu Kroatien gehört. Der Grenzverlauf sieht aus wie am Bild – und hat rein gar nichts mit dem Flussverlauf zu tun. Vielleicht noch mit den Nebenarmen.







Die Fußgänger-Hängebrücke bei Kriznica: richtige Divis Setzung kann Leben retten!
Die Fußgänger-Hängebrücke bei Kriznica: richtige Divis Setzung kann Leben retten!




Dorthin gelangen wir über eine beeindruckende Fußgänger-Hängebrücke. Die Fußgänger-Hängebrücke bei Križnica ist eine etwa 300 Meter lange, schmale Seilbrücke (davon rund 164 Meter über dem Wasser), die den kroatischen „Flussinsel“ Križnica mit dem Festland verbindet. Sie wurde 1968 erbaut und ist ausschließlich für Fußgänger und Radfahrer gedacht. Die Brücke schwankt spürbar und bietet beim Überqueren einen beeindruckenden, etwas abenteuerlichen Blick auf die wilde, schnell fließende Drau.


Autos überqueren mit einer Fähre die Drau und scheinen in dieser Enklave keine Kennzeichen zu benötigen. Das Besucherzentrum hat am heutigen Montag Ruhetag, aber wir erkunden den Bereich auf eigene Faust. Die Atmosphäre ist ruhig und ein bisschen abenteuerlich.






Zurück und Richtung Zlatni Klas


Zurück über der Brücke ist es schön zu fahren und nicht mehr weit bis Zlatni Klas in Otrovanec.

Das dortige Gästehaus und Restaurant ist wohl das beste Restaurant unserer gesamten Reise. Die Familie Tkalčec betreibt hier seit fast 50 Jahren ein vorbildliches Agro-Tourismus-Anwesen mit eigener Biolandwirtschaft und vielen Eigenprodukten auf der Speisekarte (Wir haben 3 Generationen kennen gelernt!). Besonders bekannt sind sie für Gerichte aus Brennnesseln (Suppe, Nudeln, Brot und sogar Pizza), traditionelle Podravina-Spezialitäten und Fleisch aus dem Holzofen. Falstaff und Gault&Millau haben den Zlatni Klas mehrfach ausgezeichnet – und man merkt sofort warum: authentisch, herzlich und von hoher Qualität.

Genau nach Birgits Geschmack – und … richtig geraten: Heute hat der Betrieb Ruhetag. Gestern, so erzählt man uns, waren 150 Gäste da. Schön für sie.

Aber Birgit packt wieder einmal ihr kommunikatives Talent aus und verhandelt mit dem Senior-Chef. So bekommen wir nicht nur Bier und Wein, sondern auch Salat und einen phantastischen Kalbsbraten mit Kartoffeln.


















Und wir stibitzen ein wenig Öl vom Tisch, um in der ersten Badewanne der Reise ein Bad mit Öl zu nehmen – das tut unserer Haut extrem gut.

Diese Nacht ist sehr erholsam nach den vorigen zwei anstrengenden Tagen.


Die Geschichte von Otrovanec – dem „giftigen Dorf“

Der Name Otrovanec kommt vom kroatischen Wort otrov (Gift) und bedeutet so viel wie „Giftort“ oder „vergiftetes Dorf“. Die bekannteste und beliebteste Erklärung ist eine lokale Legende aus der Zeit der Osmanen-Einfälle:

Als die osmanischen Truppen erneut das Gebiet überfielen, wollten die Bewohner des damaligen Dorfes diesmal nicht fliehen. Ein weiser alter Mann (der sich mit Heil- und Giftpflanzen auskannte) riet den Dorfbewohnern, giftige Pflanzen zu sammeln und damit einen kleinen See oder eine Tränke zu vergiften, die die Osmanen und ihre Pferde zum Tränken nutzten.

Nachdem die Soldaten und besonders die Pferde das vergiftete Wasser getrunken hatten und erkrankten oder starben, brach Panik aus und die osmanischen Truppen zogen sich zurück. Der Legende nach rief der Alte dem fliehenden osmanischen Anführer hinterher: „Jetzt bist du aber richtig vergiftet!“ („Sad si bome Otrovanec!“). Die fliehenden Soldaten schrien angeblich „Otrovanec! Otrovanec!“ – und so erhielt das Dorf seinen ungewöhnlichen Namen.


 
 
 

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