Daoismus

Aktualisiert: 23. Mai 2019

China zeichnete sich seit jeher durch die Vielfalt seiner religiösen Strömungen und philosophischen Schulen aus. Drei davon erlangten so großen Einfluss, dass man sie mit einigem Recht als die Religionen und Philosophien Chinas bezeichnen kann. Es handelt sich dabei um den Daoismus und den Konfuzianismus, die beide in China selbst entstanden sind, sowie um den aus Indien kommenden Buddhismus. Jede der drei Strömungen hat ihr eigenes Gesicht, ihre eigenen Methoden und eigene Ziele. Auf der anderen Seite haben sich die Schulen auch gegenseitig stark beeinflusst. Besonders augenfällig wird das in der fruchtbaren Auseinandersetzung von Daoismus und Buddhismus. Die Daoisten übernahmen vieles von den ausgefeilten yogischen Praktiken, die der Buddhismus mit sich brachte. Andererseits wäre die Entwicklung des Chan (Zen)-Buddhismus ohne die Einwirkung des Daoismus kaum vorstellbar.


Der Daoismus ist die Basis vieler alter chinesischer Künste wie Fengshui, Qigong, Taiji Quan, Traditionelle Chinesische Medizin, Traditionelle Astrologie u.v.m. Die Welterklärungsmodelle im Daoismus sind: Yin/Yang, die 5 Wandlungsphasen, das Yijing (I Ging) mit den 8 Trigrammen und den 64 Hexagrammen. Das Hauptwerk des philosophischen Daoismus ist das Daodejing (Tao Te King) von Laozi (Laotse).


Philosophischer Daoismus Der Daoismus entwickelte sich etwa im vierten und dritten vorchristlichen Jahrhundert – ungefähr zeitgleich mit dem Konfuzianismus und dem Buddhismus – vor allem durch die Schriften von Laozi (Laotse, Lao-tzu), Zhuangzi (Chuang-tzu) und Liezi (Lieh-tzu). Man nennt diese Richtung den philosophischen Daoismus (Daojia). Das "Dao" (wörtlich: der Weg) wird als allumfassendes, alles durchdringendes Grundprinzip des Seienden verstanden. Dao kann nicht durch intellektuelle Spekulation erkannt, sondern nur in direkter Schau erfahren werden. Die Wurzeln solcher Gedanken reichen sicherlich noch viel weiter zurück in die Geschichte, doch sind sie uns mangels schriftlicher Überlieferung nicht mehr zugänglich.

Religiöser Daoismus Neben dem philosophischen Daoismus entwickelte sich später auch der religiöse Daoismus (Daojiao). Er stützt sich einerseits auf die von Laozi und anderen geschaffenen philosophischen Grundlagen, verarbeitet in seinen Praktiken aber auch schamanistische Einflüsse, Alchemie, yogisches Wissen aus Indien sowie unterschiedliche philosophische Systeme zur Beschreibung von Vorgängen in der Natur, wie z.B. die Lehre von den "Fünf Wandlungsphasen" (Wuxing) oder die Lehre von den "Acht Trigrammen" (Bagua). Der religiöse Daoismus war nie eine einheitliche Religion. Das daoistische Gedankengut wurde in vielen verschiedenen Schulen weitergegeben, wobei die religiösen Schwerpunkte und die philosophischen Konzepte zum Teil stark variierten. Ein Hauptthema war jedoch fast immer die Praxis des "Lange leben, nicht sterben" (Changsheng busi).

Daoismus heute Sicherlich will sich nicht jeder wie die alten daoistischen Einsiedler in die Berge zurückziehen. Aber die Beschäftigung mit dem Gedankengut des Daoismus eröffnet uns eine wohltuende Alternative zu unserer gewohnten westlichen Sicht der Dinge. Neben die uns so vertrauten Prinzipien von Statik und Geradlinigkeit treten ständiger Wandel und Kreisprozesse. Wir können die Erscheinungen der Welt mit neuen Augen sehen, erhalten vielfältigere Wahlmöglichkeiten und sind so in der Lage, unser Leben erfolgreicher zu gestalten.


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